Die Entstehungsgeschichte der Musikkapelle Latzfons

Die Musikkapelle Latzfons wurde 1870 vom Lehrer Schranz als Kapellmeister und dem Obmann Hans Obrist gegründet. Diese Daten sind in der Chronik der Pfarrei Latzfons aufgezeichnet. Sie waren auch durch ein Foto beweisbar, welches leider im Jahre 1943 mit mehreren anderen Ausrüstungsgegenständen verschwunden ist.
1885 wurde der Gründungskapellmeister durch den Lehrer Moll abgelöst, der auch für 15 Jahre als Dirigent tätig war.

Die Kapelle im Jahr 1905

Ab 1900 führte der Lehrer Obersteiner die Geschicke der Kapelle. In dieser Zeit, im Jahre 1908 wurde die Kapelle mit einer Tracht ausgerüstet, denn bis dahin rückte man nur in Zivilkleidung aus. Die neue Tracht bestand aus brauen Lodenhosen, einem mit Federkiel bestickten Bauchgurt, rotem Leibl, grünen Hosenträgern und weißem Hemd mit buntem Seidentuch. Auf dem schwarzen Hut steckten eine Spielhahn- und eine weiße Hahnenfeder, sowie eine rote Geranie. Diese Tracht wird auch heute noch von der Musikkapelle Latzfons getragen.
Im Jahr 1912 übernahm der Lehrer Mühlögger die Leitung der Kapelle, und von 1928 bis 1938 dirigierte sie Josef Hasler. Unter seiner Stabführung beteiligte sich die Kapelle bereits 1932 am Traubenfest in Meran. Dazu musste sich die gesamte Mannschaft zu Fuß von Latzfons nach Klausen begeben, um danach mit einem Lastwagen nach Meran zu fahren. Obwohl es auch noch den ganzen Tag regnete, war der erste, große Auftritt für die Kapelle ein noch nie da gewesener Erfolg.

In den Jahren des Faschismus geriet die Kapelle durch ihre Tracht mit den politischen Zuständen der damaligen Zeit beinahe in Konflikt. Zur Einweihung der großen Brücke beim Scheidle kam Mussolini nach Klausen und sämtliche Kapellen der Umgebung mussten zu einem offiziellen Empfang ausrücken. Als die Männer der Musikkapelle Latzfons nach Klausen kamen, wurde ihnen nahe gelegt, die weißen Hahnenfedern vom Hut zu nehmen. Trotz der Warnung, dass der Kapellmeister verhaftet würde, marschierten die Musikanten mit der gesamten Tracht weiter, und zum Staunen aller Beteiligten war der "Ehrengast" von den weißen Hahnenfedern sehr beeindruckt. Der Kapellmeister Josef Hasler erhielt beim offiziellen Empfang aus der Hand Mussolinis  daraufhin sogar 200 Lire, was für die damalige Zeit viel Geld war. Das erzeugte den Neid der übrigen Musikkapellen. Aber die Zeit heilt zum Glück viele Wunden.

Die Kapelle 1938 in Klausen


Von 1940 bis 1953 leitete Gregor Hasler, Schneidermeister die Kapelle. In dieser vom Nationalsozialismus, vom Faschismus und vom 2. Weltkrieg überschatteten Zeit war es auch für die Musikkapelle Latzfons schwierig zu überleben. 1940 wurde in Latzfons, das seit 1929 nur mehr eine Fraktion der Gemeinde Klausen war, eine Carabinierikaserne eingerichtet. Dieser Aufsichtsbehörde unterlag auch die Kontrolle der kulturellen Tätigkeit, und in den Jahren vor dem 2. Weltkrieg durfte die Musikkapelle deshalb nur mehr in Zivilkleidung bei den kirchlichen Festen und Prozessionen ausrücken. Nur am Herz-Jesu-Sonntag wagte es die Kapelle, die Vorschriften zu ignorieren, und sie rückte mit der gesamten Tracht zur Prozession aus.
Nach dem 2. Weltkrieg lockerten sich die Bestimmungen. 1948 konnte durch die großzügige Spende von Vitus Dorfmann- Rungger, Stefan Hasler-Faller, Josef Steiner-Oberschmied und Johann Steiner-Suns sogar eine eigene Musikfahne gekauft werden, welche bis heute bei Umzügen der Musikkapelle vorangetragen wird.


Die Kapelle beim Faschingsumzug 1948 in Klausen

Als Kapellmeister folgten ab 1953 der Lehrer Hans Schenk, ab 1954 Paul Gamper, Unterkircher und Mathias Fink, Rauter; ab 1958 Peter Obrist, Roat, ab 1960 sein Bruder Franz Obrist und von 1962 bis 1979 Georg Kerschbaumer, Schneidermeister. Im Jahre 1964 beschloss man, die Kapelle durch den Kauf von 25 neuen Instrumenten endgültig von "C" auf "B" umzustimmen. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde als Notlösung auf die alten Instrumente einfach ein verlängertes Mundstück aufgesetzt. Die finanziellen Möglichkeiten waren zur damaligen Zeit sehr eingeschränkt, aber der Musikkapelle gelang es, sich durch ein Darlehen, einen Landesbeitrag und eine Holzschlägerung die notwendigen Mittel zu beschaffen. Beachtlich ist die lange Tätigkeit als Obmann von Jakob Oberrauch in den Jahren von 1960 bis 1986, in der er in der Kapelle sehr wertvolle Arbeit geleistet hat. Seit 1986 ist Jakob Oberrauch Ehrenobmann der Musikkapelle Latzfons.
Ab 1979 leitete Josef Hasler die Geschicke der Kapelle, und auch in dieser Zeit konnte man beachtliche musikalische Erfolge bei Wertungsspielen und Musikfesten im In- und Ausland erzielen. 1991 übernahm Georg Hasler als junger Kapellmeister im Alter von 22 Jahren die Leitung der Kapelle und erfüllte seine Aufgabe mit jugendlichen Idealismus zur vollen Zufriedenheit der Musikkapelle.  Von 1986 bis 1997 hat Josef Unterthiner die Kapelle als Obmann geleitet. Durch seinen Einsatz, der finanziellen Unterstützung des Landes, der Gemeinde und der Bevölkerung von Latzfons, Verdings und Garn konnte auch ein neues, den Anforderungen der Musikkapelle voll entsprechendes Probelokal errichtet werden. Es wurde 1993 eingeweiht. 1996 wurde die erste Musikantin in die Kapelle aufgenommen; zur Zeit spielen bereits 18 Musikantinnen in der Kapelle mit.  Insgesamt hat die Musikkapelle derzeit 64 Mitglieder inklusive Marketenderinnen und Fähnrich.
In den Jahren 1996- 2000  standen der Kapelle dann vier verschiedene Kapellmeister vor: Blasbichler Georg, Josef Hasler, Georg Hasler und Profanter Toni.
Vom Jahre 2001 bis 2005 stand Helmuth Hasler der Kapelle vor und  Josef  Pfattner war von 1997 bis 2005 Obmann der Kapelle.  Seit dem Jahr 2006 leitet nun wiederum Georg Hasler die Kapelle und auch beim Obmann gab es einen Wechsel; Thomas Schrott  löst Josef Pfattner ab. Ihnen sei großer Dank für ihre Motivation und ihren unermüdlichen  Einsatz im Dienste der Musikkapelle ausgedrückt.
 

 

Die Musikkapelle im Jahr 2004